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| | «Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen« | | Grüne Kreistags-Fraktion fordert Nutzen-Kosten-Rechnung für Umgehung Lind-Anwanden-Sichersdorf | | |
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FÜRTH Land - Es ist zwar noch Zukunftsmusik, doch die Grünen bauen schon mal vor: Die Umgehungsstraße für Anwanden, Lind und Sichersdorf, die im letzten Kreistags-Sitzungsblock 2009 den Sprung auf die so genannte Zukunftsliste des Landkreis-Straßenbauprogramms geschafft hat, veranlasst die Ökopartei zu harscher Kritik. Angesichts der millionenschweren Dimension des Projekts meint der grüne Zirndorfer Stadt- und Kreisrat Wolfram Schaa, «da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen«.
Steht ein Bauprojekt auf der Zukunftsliste, ist das letztlich erst einmal die Absichtserklärung, das Projekt anzupacken - allerdings frühestens nach 2013 - «und das ist optimistisch gerechnet«, wie Bernd Kuch, der Sprecher der Kreisbehörde erklärt. Angedacht ist, die Kreisstraße FÜ 14, die durch Sichersdorf, Anwanden und Lind führt, nach Westen zu verlagern. So soll eine direkte Verbindung zwischen der Staatsstraße 2245 (Rothenburger Straße) und der Bundesstraße 14 entstehen - mit einem Anschluss an die B14 auf der Höhe von Großweißmannsdorf und an die Staatsstraße 2245 bei Leichendorf.
Mit «Salamitaktik«
Das Straßenbauprojekt verfolgt die Bibertstadt nach Einschätzung Schaas in erster Linie deshalb, weil sie eine leistungsfähige Straße für das geplante Wohn- und Gewerbegebiet Anwanden West benötige. Als «Salamitaktik, die peu à peu den Druck verstärkt«, verurteilt Schaa das Vorgehen. «Zuerst werden überflüssige Baugebiete ausgewiesen und hinterher heißt’s dann, jetzt brauchen wir die Umgehung. Und am Ende stehen die Bürger vor vollendeten Tatsachen.«
Zwingend erforderlich, so hält Zirndorfs Bürgermeister Thomas Zwingel dagegen, sei die Umgehung für das neue Baugebiet nicht. «Das eine geht auch ohne das andere.« Allerdings würde er es für sinnvoll erachten, beides zu kombinieren. Zudem sei die Umgehung ein lang gehegter Wunsch der Anlieger in den Ortsteilen.
Kinder protestierten
In Anwanden haben vor drei Jahren sogar Kinder die Initiative ergriffen und Unterschriften gesammelt, damit der Landkreis «endlich etwas gegen die rasenden und rücksichtslosen Autofahrer auf der Kreisstraße FÜ14 unternimmt«, wie sie damals erklärten. Die Gehsteige sind an manchen Stellen gerade 40 Zentimeter breit. Doch baulich ist dort ähnlich wie in Lind kaum etwas zu bewegen, die Häuser sind eng an den Straßenraum gerückt.
Als Begründung für die Notwendigkeit einer Umgehung wurde im Kreistag zudem auf die unübersichtliche Bahnunterführung in Anwanden hingewiesen. Recht kurvig, gepaart mit einem starken Gefälle, ist es zudem in Lind. 4437 Autos nutzen die Route täglich. Für die leistungsstarke Nord-Süd-Verbindung spricht nach Zwingels Meinung zudem deren Ausbaufähigkeit: Denkbar sei, die Kreisstraße als Staatsstraße einzustufen, schließlich müsse sie nicht zwingend an der Landkreisgrenze enden. «Das könnte eine reizvolle Trassierung weiter Richtung Roth und damit runter in den Süden des Bezirks sein«, erklärt er. Noch dazu hätte das den Vorteil, dass die Baulast, also Baukosten und Unterhalt, damit vom Landkreis auf den Freistaat übergingen.
Auf freistaatliche Kosten
Der Ausbauplan für Bayerns Staatsstraßen wird derzeit fortgeschrieben. Den entsprechenden Vorstoß, diese Nord-Süd-Verbindung als Staatsstraße ins freistaatliche Bauprogramm aufzunehmen, hat Landrat Matthias Dießl mit einem Schreiben an Innenminister Joachim Herrmann bereits unternommen.
Derweil fordern die Grünen eine Nutzen-Kosten-Rechnung für die Umgehungsstraße ähnlich den Berechnungen zur U-Bahn-Verlängerung in den Landkreis. «Bei einer Länge von zirka sieben Kilometern dürfte eine solche Umgehung ungefähr fünf Hektar Acker- und Waldfläche vernichten und je nach Brückenbauwerken zwischen 4 und 8 Millionen Euro kosten«, rechnet Norbert Schikora (Oberasbach), der Vorsitzende der grünen Kreistagsfraktion, vor.
Völliges Unverständnis
Allein das Argument der hohen Verkehrsbelastung stößt in seiner Fraktion auf völliges Unverständnis. Das sei «an den Haaren herbeigezogen, wenn man bedenkt, das beispielsweise durch Leichendorf - trotz neuer Ortsumgehung über die Zirndorfer Westspange - 5300 Autos täglich fahren und damit mehr als vor dem Bau der Westspange.« Da wurden 4800 Fahrzeuge gezählt.
Äußerst fragwürdig erscheinen den Grünen zudem die Nebenwirkungen einer solchen Umgehung auf die Rothenburger Straße. Sie würde noch mehr Verkehr auf diese Haupteinfallsroute Richtung Nürnberg und damit auf die Ortsdurchfahrt von Oberasbach lenken, geben sie sich überzeugt. «Millionenschwere Entlastungsversuche im Rahmen einer U-Bahn, Stadtbahn oder mit einem optimierten Busverkehr würden damit ins Leere laufen«, so Schikora.
Sabine Dietz |
| 8.1.2010 0:00 MEZ |
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